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Daten löschen im Auto

Moderne Autos sind fahrende Computer - eigentlich sogar mehr als das: künstliche Intelligenzen und digital vernetzte, persönliche Assistenten. Smartphones auf vier Rädern. Unser Fahrzeug kommuniziert, denkt und (re)agiert ständig für uns und nur einen kleinen Teil davon bekommen wir mit.

Wir verraten Ihnen, weshalb es im Zeitalter des Internet of Things wichtig ist, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten - und wie das funktioniert.

Internet of Things (IoT) bezeichnet (laut Wikipedia) „alle Technologien einer globalen Infrastruktur der Informationsgesellschaften, die es ermöglicht, physische und virtuelle Objekte miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen.“ IoT ermöglicht also die Interaktion von Menschen und Technologie (zum Beispiel Sie und Ihr Smartphone) sowie von Technologien untereinander, etwa Handy und Auto.

Das Auto als Datenkrake

Sobald wir ein (modernes) Auto in Betrieb nehmen, sammelt es Daten über uns: Wie viele Personen sich gerade im Fahrzeug befinden, wohin diese unterwegs sind, welche Musik sie hören, wie fit der Fahrzeuglenker ist, wen dieser gerne am Heimweg von der Arbeit anruft und wo er gerne einkaufen oder essen geht - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Im Alltag kann das praktisch und hilfreich sein - bei einem Verkauf bzw. Tausch des Fahrzeugs wie im Fall von Car Sharing, Mietautos, Rail & Drive, Pool-Autos von Firmen etc. sollten Sie jedoch darauf achten, keine sensiblen Daten zurück zu lassen. Und das geschieht schneller als Sie denken.

Die häufigsten Datenquellen in Ihrem Fahrzeug im Überblick:

  • Fahrer- & Fahrzeug-Einstellungen

  • Intelligente Multimediasysteme

  • Apple CarPlay & Android Auto

  • Navigation & Standortbestimmung

  • Smartphone Apps

Fahrer- & Fahrzeug-Einstellungen

Am leichtesten und häufigsten können moderne Fahrzeuge über die individualisierbaren Fahrer- und Fahrzeugeinstellungen personalisiert werden: Ambientebeleuchtung, Klimaanlage, Sitzeinstellungen, Radiosender, Fahrmodus etc. sind zwar keine kritischen Informationen, geben aber auch schon Aufschluss über Ihre Persönlichkeit.

Diese Daten können Sie ganz einfach zurücksetzen, indem Sie im Bordmenü die Werkseinstellungen wiederherstellen. Damit werden alle von Ihnen gesetzten Individualisierungen gelöscht. Das gilt laut Herstellern auch für persönliche Daten. Der Zugang zu diesem System-Reset kann je nach Fahrzeugmodell unterschiedlich kompliziert sein.

Das Auto als Personal Assistant

Ob „Hey, Mercedes“, „Hey, BMW“ oder wie sie alle heißen - die persönlichen Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen sind eine weitere Stelle, in der Ihre persönlichen Daten gespeichert und verarbeitet werden. Die über Sprachbefehle steuerbaren Multimedia-Assistenten sind intelligent und merken sich die Gewohnheiten, Routinen und Eigenheiten ihres Fahrers. Möglich macht das eine lernfähige Software, dank der sich MBUX, BMW Intelligent Personal Assistant und Co. auf ihre Nutzer einstellen und ihnen von der Aktiv-Massage über Terminerinnerungen bis zum Vorschlag für die To-Do-Liste personalisierte Vorschläge unterbreiten.

Wenn Sie als Fahrer beispielsweise auf dem Heimweg von der Arbeit regelmäßig eine bestimmte Person anrufen, schlägt Ihnen Ihr intelligentes Multimediasystem ab einem bestimmten Zeitpunkt den entsprechenden Anruf automatisch vor, wenn Sie im Fahrzeug sitzen. Oder es bringt sie auf Ihre Aussage „Ich habe Hunger“ hin auf direktem Weg zu Ihrem Lieblingsitaliener. Während die Klimaanlage auf Ihre bevorzugte Einstellung eingestellt wird und Ihre Lieblingsplaylist sanft im Hintergrund abgespielt wird.

Das alles ist recht praktisch und auch ein stückweit charmant, aber eben höchstpersönlich und damit nichts für andere Fahrer. Stellen Sie im Fall eines Verkaufs oder Tauschs Ihres Autos also sicher, dass Sie Ihr Nutzerprofil im Multimediasystem des Fahrzeugs löschen und das System auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

Apple CarPlay & Android Auto

Die Verbindung Ihres Smartphones mit dem Multimedia-System eines Autos ermöglicht eine vielfältige Nutzung Ihrer Smartphone-Funktionen über das Fahrzeug: Musik-Streaming, Import von Telefonliste und Kontaktdaten, Kalender, Podcasts, Messages, E-Mails und vieles mehr.

Apple CarPlay bzw. Android Auto machen es kinderleicht und komfortabel, das Fahrzeug als Erweiterung des Smartphones zu nutzen. Wenn Sie ebendieses Fahrzeug dann aber nicht mehr selbst nutzen, sollten Sie alle persönlichen Daten aus der vorangegangenen Handy-Auto-Verbindung löschen. Sonst kann der nächste Nutzer in aller Ruhe auf Ihre Telefonliste, Kontaktdaten, gespeicherte Adressen, Kalendereinträge, Messages, Spotify und vieles mehr zugreifen.

Auch diese Datenlöschung können Sie ganz einfach veranlassen, indem Sie ihr Fahrzeugmenü auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

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Apple Car Play © Pixabay

Navigation & Standortbestimmung

Die Standortfreigabe ist grundsätzlich bei jedem Fahrzeug aktiviert. Alle ab 31. März 2018 in Europa zugelassenen Neufahrzeuge sind mit dem eCall-Notrufsystem ausgestattet. Dieses trackt den Standort des Autos mit und setzt im Notfall einen automatischen Euro-Notruf ab.

eCall kann und darf nicht deaktiviert werden. Andere Standortdienste, zum Beispiel die fürs Navigationssystem, jedoch sehr wohl. Dafür ist es allerdings oft nötig, sich in die Tiefen des Fahrzeugmenüs vorzuarbeiten.

Im Navi werden automatisch die letzten gefahrenen Routen, häufig befahrene Strecken und regelmäßig anvisierte Adressen gespeichert. Das sind sensible Informationen, welche den nächsten Fahrzeugnutzer nichts angehen. Auch wenn das fahrzeugeigene Navigationssystem nicht aktiviert wurde - haben Sie Google Maps oder einen anderen Navi-Dienst über Ihr mit dem Fahrzeug gekoppeltes Smartphone verwendet, werden die Daten ebenfalls im Bordmenü gespeichert.

Diese Daten können Sie entfernen, indem Sie ihr Fahrzeug im Bordmenü auf die Werkseinstellungen zurücksetzen oder im Navi-Menü alle gespeicherten Adressen löschen. Meistens findet sich diese Option bei den erweiterten Navi-Einstellungen in einem Bereich wie „Speicher verwalten“.

Smartphone Apps

Dass Daten im Fahrzeug verbleiben und von anderen Nutzern ausgelesen werden können, ist eine Sache. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Mittels Apps wie Mercedes Me, My BMW, myAudi App usw. haben Sie mit Ihrem Smartphone jederzeit das verbundene Fahrzeug unter Kontrolle.

Per App rufen Sie Echtzeit-Informationen über das Auto ab und behalten Tankfüllstand, Reichweite, Servicetermine, Warnmeldungen und vieles mehr im Blick. Sie können Fahrten planen und die Ziele, Routen und Zwischenstopps direkt an Ihr Fahrzeug schicken.

Auch die Standheizung, der Motorstart sowie das Öffnen und Schließen der Fahrzeugtüren sind remote steuerbar. Manche Modelle lassen sich per Smartphone sogar von außerhalb des Fahrzeugs ein- und ausparken. Auch sämtliche Office-Funktionen wie Kalender, Telefon und so weiter können Sie übers Smartphone mit Ihrem Fahrzeug koppeln.

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Mercedes Me App © Daimler AG

Das ist alles schön und gut, solange Sie selbst Ihr Fahrzeug nutzen und dabei der Erstbesitzer sind. Theoretisch könnte jeder Vorbesitzer oder jeder vorherige Fahrer, der per Hersteller-App Ihr Fahrzeug genutzt hat, ebendieses über die App weiter kontrollieren.

Ein Beispiel: Sie fahren über einen bestimmten Zeitraum eines der E-Autos aus dem Fahrzeugpool Ihres Arbeitgebers. Sie haben sich zur optimalen Nutzung die App des Herstellers auf Ihr Smartphone heruntergeladen und darüber einen Nutzer-Account angelegt.

Nach Rückgabe des Firmenfahrzeugs löschen Sie den Account aber nicht und behalten weiterhin Zugriff auf das Auto. Sie wissen, wann es wo parkt und wann es wohin fährt, kennen den Akku-Ladestand, können per Click die Türen ent- oder verriegeln, die Klimaanlage starten, die Hupe ertönen lassen und so weiter.

Und jetzt stellen Sie sich vor, Ihre Kollegen können das auch, während Sie das Firmenfahrzeug nutzen. Oder Sie fahren ein Mietauto oder ein Gebrauchtfahrzeug und wissen nicht, wer außer Ihnen Zugriff auf das Fahrzeug haben könnte.

Tipp: Wenn Sie ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen oder nutzen, das per App gesteuert werden kann, stellen Sie sicher, dass der Vorbesitzer / der vorherige Fahrer keine Kontrolle mehr darüber ausüben kann. Verlangen Sie im Zweifel einen Nachweis, dass die Verbindung bzw. der Account gelöscht wurde.

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Die BMW App © BMW

Fazit

Wenn Sie Ihr Fahrzeug - aus welchem Grund auch immer - weitergeben, ein fremdes Fahrzeug nutzen oder ein gebrauchtes Fahrzeug erwerben, ist das Thema Datensicherheit eines der wesentlichsten und zugleich unterschätztesten.

  • Stellen Sie sicher, dass Sie vor der finalen Weitergabe Ihres Fahrzeugs (zum Beispiel beim Verkauf, im Fall von Miet- und Firmenautos etc.) die gespeicherten persönlichen Daten löschen, indem Sie die Funktion „auf Werkseinstellungen zurücksetzen“ im Fahrzeugmenü wählen.

  • Löschen Sie vor der Weitergabe Ihre Nutzer-Profile und verbundene Geräte (Kopfhörer, Smartphones, …) im Fahrzeugmenü und gegebenenfalls in der App.

  • Vergewissern Sie sich bei der Übernahme eines fremden Fahrzeugs, dass sämtliche personalisierten Informationen gelöscht sind.

  • Verlangen Sie bei der Übernahme eines fremden Fahrzeugs (vor allem beim Kauf eines Gebrauchtfahrzeugs) einen Nachweis, dass der App-Account gelöscht wurde.

  • Setzen bei Übernahme eines gebrauchten Fahrzeugs selbst alle Werkseinstellungen des gesamten Systems zurück.

Von Birgit Weszelka   |   18.07.2021